Entstehung des Projekts

Das Projekt Gemeinsam FairHandeln geht auf eine Initiative des Münchener Bezirksausschusses Schwabing-Freimann vom Herbst 2015 zurück und ist im Kontext der Flüchtlingsproblematik zu verorten.

Im Zusammenhang mit der Zuwanderung von Flüchtenden wird in München nicht nur eine deutschlandweit bewunderte Hilfsbereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger als Charakteristikum dieser Stadt und dieses Landes wahrgenommen. Es werden eben auch jene Probleme festgestellt, die bis heute den öffentlichen politischen Diskurs prägen: Einzelne Vorfälle, bei denen Zuwanderer und Flüchtende mit den Konventionen und Gesetzen, mit den Gewohnheiten und Normen unseres Landes in Konflikt geraten und die zurecht mit Sorge beobachtet werden. Auch gewinnen solche Vorfälle oftmals in der medialen Kommunikation eine Eigendynamik, die einer kritischen Würdigung bedarf. Gleichwohl haben alle einschlägigen Vorfälle schließlich dazu geführt, dass insbesondere Übergriffe in grundrechtsrelevanten Bereichen und in solchen Räumen, die eine besondere Schutzsphäre darstellen, besonders kritisch beurteilt werden.

Der oben genannte Bezirksausschuss, dem auch Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle angehört, hat deshalb einstimmig beschlossen, eine Initiative zu starten, die Flüchtende bzw. Zuwanderer in das bei uns geltende und anerkannte Normensystem einführt und auf dieses verpflichtet. Dabei hatte man zunächst an eine Art Normenkatalog gedacht, der von jedem Zuwanderer internalisiert und letztlich verbindlich unterzeichnet werden sollte. Die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, die als Teil des Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst das Projekt federführend betreut, hat jedoch das Konzept eines verbindlichen Normenkatalogs nach intensiver Überlegung als kaum realisierbar und wenig zweckmäßig verworfen zugunsten einer handlungsorientierten, gemeinsamen Aushandlung von Regeln und Normen.

Die Übernahme, kritische Akzeptanz und Internalisierung ethischer wie rechtlicher Inhalte erfolgt weniger durch Lesen und Zertifizieren, sondern vielmehr im Rahmen einer intensiven, emotionalen, kognitiven und handlungsorientierten Auseinandersetzung mit den grundlegenden Themenkomplexen, in denen Normen funktionieren und ihre Wirksamkeit entfalten sollen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass Normen, die gemeinsam ausgehandelt werden, dann besondere Beachtung finden, wenn sie einen spezifischen Bezugsrahmen haben, auf den hin sie entwickelt und gültig werden. Für die Landeszentrale war der exemplarische Bezugsrahmen, der für eine Realisierung des Projekts ausgewählt wurde, die Schule. Auch wenn die Schule einen für einheimische wie zugewanderte Jugendliche gleichermaßen normierten Kontext und verbindlichen Kommunikationsraum darstellt, wurde von der starren Setzung verbindlicher Bestimmungen bewusst abgesehen. In Sinne des Begriffs Gemeinsam FairHandeln wird denjenigen, denen unsere Normengefüge vermittelt werden soll, kein Zertifikat ausgestellt, sie müssen auch kein Regelwerk signieren. Vielmehr werden sie an einem Prozess beteiligt, der zur Formulierung und Etablierung solcher Regeln führt, und in unsere Regelwelt durch Beteiligung aufgenommen.

Vor dem Hintergrund der hier skizzierten theoretischen Überlegungen hat die Landeszentrale gemeinsam mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis an der Freisinger Paul-Gerhardt-Mittelschule exemplarisch die Entwicklung von Regeln in kommunikativen Handlungszusammenhängen erprobt. Prozess und Ergebnisse des Projektes sind auf dieser Webseite hinterlegt, als Anregung und Beispiel, das in der praktischen Bildungsarbeit mit Zuwanderern und Migranten dort Anwendung finden kann, wo es um die Entwicklung und Implementierung von Regeln geht.

Die Initiatoren versprechen sich von der Durchführung solcher Projekte die nachhaltige und verlässliche Verankerung der bei uns unabweisbar notwendigen Regularien bei Menschen, denen diese zunächst fremd sind. So will die Landeszentrale im Sinne des Beschlusses des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann exemplarisch ein leistungsfähiges Format anbieten, das grundrechtsbasierte gesellschaftliche Kohärenz im Kontext von Migration und Zuwanderung ermöglicht und stärkt.