Perspektivenprojekte (Ü-Klassen)

Perspektiven sind medienpädagogische Modellprojekte in Übergangsklassen mit Schülerinnen und Schülern, die nur rudimentäre oder gar keine Deutschkenntnisse haben. Innerhalb des Themenrahmens „Kinder-/Menschenrechte und Ankommen“ wurden Fragen bearbeitet, wie „Was ist euch für euer Leben wichtig?“, „Bildung = Ausbildung? Was bedeutet (ein Recht auf) Bildung für mich?“ oder „Was macht (mich) glücklich?“. Zu diesen Fragen erarbeiteten die Kinder und Jugendlichen mediale Produkte, in denen sie  ihre persönliche Perspektive ausdrückten.

Die Modellprojekte wurden wissenschaftlich begleitet, um die Potenziale der Medienarbeit für die thematische Arbeit mit der Zielgruppe und für die Sprachförderung systematisch einzuschätzen.

4 Fragen und Antworten zum Projekt

1. Welches Ziel wird mit dem Projekt verfolgt?

Konkret war das Ziel der einzelnen Projekte, dass sich die Teilnehmenden mit dem jeweiligen Projektthema auseinandersetzen und ihre Perspektive darauf mit Medien ausdrücken. Dabei sollten die Potenziale der aktiven Medienarbeit für die Sprachförderung und die Bearbeitung inhaltlicher Fragestellungen für die Zielgruppe nutzbar gemacht werden. Durch die Abschlusspräsentationen innerhalb der einzelnen Projekte wurde den Kindern und Jugendlichen und ihren Produkten eine Öffentlichkeit geboten, die zur Integration in den Schulalltag und dem gegenseitigen Entwickeln von Verständnis und Toleranz beitragen sollte.
Das Ziel der wissenschaftlichen Begleitung war einzuschätzen, inwiefern diese Potenziale realisiert werden können und Hinweise für zukünftige Projekte zu erarbeiten.

 

2. Welche Medien kommen zum Einsatz und welche Funktion haben die Medien?

Videoclips, Foto, Comics, Trickfilme (Stop-Motion und Legetrick) wie auch Interviews – im Sinne der aktiven Medienarbeit wurden diese Medien in erster Linie als Werkzeuge zur Artikulation eigener Perspektiven genutzt. Je nach Medium ergaben sich dabei unterschiedliche Anforderungen (z.B. bei Legetrick längere Sprechsequenzen und bei nachvertonten Comics eher dialogische Formen). Darüber hinaus wurden aber auch Bildrecherchen im Internet für die übersprachliche Verständigung oder Lieblingsclips auf YouTube zur gegenseitigen Vorstellung der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen genutzt.

 

3. Welche Aufgaben übernehmen die geflüchteten Menschen?

Neben geflüchteten Kindern und Jugendlichen waren in den Gruppen auch einige, deren Familien nicht aus Fluchtregionen nach Deutschland gekommen sind. Alle Kinder und Jugendlichen waren als Teilnehmende aktiv an der Ausgestaltung der Arbeit beteiligt. Sie bestimmten, was sie (in Kleingruppen) zum Projektthema bearbeiten und wie sie es medial umsetzten wollten. Die Begleitung durch pädagogisches Fachpersonal war jedoch unverzichtbar, damit die Kleingruppen möglichst gemeinsam das selbstgesetzte Ziel innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens erreichen konnten. Als sinnvoll hat es sich erwiesen, wenn in den Projekten sowohl individuelle als auch gruppenbezogene Elemente verankert waren. Dabei rückten teilweise auch die Hintergründe der Flucht bzw. der Auswanderung in den Fokus.

 

4. Mit welchen besonderen Herausforderungen und Schwierigkeiten muss umgegangen werden?

Die Evaluation unterstreicht die Erfahrung in der Praxis: die Arbeit mit dieser Zielgruppe ist sehr anspruchsvoll. Dies betrifft u.a. die Heterogenität der Teilnehmenden (bei 112 Kindern und Jugendlichen 31 Herkunftsländer; knapp ein Drittel der Teilnehmenden war erst bis zu einem halben Jahr in Deutschland etc.). Die Hürden bei der sprachlichen Verständigung bergen Herausforderungen für die inhaltliche Arbeit, die Projektorganisation, die kontinuierliche Einbindung und Selbsttätigkeit der Kinder und Jugendlichen im Projekt uvm. Wichtig erscheint hier, mitgebrachte Kompetenzen u.a. in der Erstsprache produktiv einzubinden. Vergleichbar heterogen waren die medienbezogenen Voraussetzungen: teils betrieben die Jugendlichen eigene YouTube-Kanäle, teils arbeiteten sie im Projekt das erste Mal mit einem Laptop, Tastatur und Maus. Schwierige Situationen entstanden auch, wenn Kinder und Jugendliche während des Projekts abgeschoben wurden. Besondere Anforderungen bestehen auch bezüglich der Veröffentlichung von personenbezogenen Informationen (Medienprodukten und Dokufotos) und entsprechenden Einverständniserklärungen, die für die Zielgruppe geeignet sind.

METHODEN

(Selbst-)Vorstellung mit YouTube-Stars

Die Jugendlichen stellen sich selbst mit einem YouTube-Clip vor, den sie besonders gut finden. Die Jugendlichen präsentieren die Clips und beschreiben, weshalb sie ihn persönlich gut finden und was er für sie darstellt.

Youtube – Selbstvorstellung – kulturelle Hintergründe sichtbar machen und wertschätzen – motivierender Projekteinstieg

Methodenbeschreibung (pdf) herunterladen
Vorlage Lieblingsvideos (pdf) herunterladen

Videoimpuls zu Lebenszielen und Werten

Die Methode soll zur Reflexion anregen, inwiefern Menschenrechte einen Einfluss darauf haben, ob die Jugendlichen ihre Lebensziele erreichen können. Ausgangspunkt für die Arbeit ist ein von Jugendlichen produzierter Legetrickfilm. In diesem beschreiben junge Menschen ihre Wünsche für ein gutes Leben in Deutschland bzw. in ihrem Herkunftsland. Dabei sprechen sie sowohl persönliche Ziele als auch gesellschaftliche Bedingungen (Frieden, kein Rassismus etc.) an.

Lebensziele von anderen Jugendlichen wahrnehmen und verstehen – Ähnlichkeiten und Unterschiede herausarbeiten – eigene Lebensziele erkennen – Menschenrechte in ihrer Bedeutung für das Erreichen von Lebensziele hinterfragen.

Methodenbeschreibung (pdf) herunterladen
Inhaltsbeschreibung des Videos „ Unsere Wünsche für die Zukunft“ (pdf) herunterladen

Fotogeschichten – mit Bild und Text erzählen

Die Kinder/Jugendlichen entwickeln eine Geschichte. Diese setzen sie in Fotos in Szene und ergänzen die Bilder anschließend mit Text bzw. Sprechblasen. Ggf. kann die Geschichte zusätzlich auch vertont werden.

Mit Fotos Geschichten erzählen – Gruppenarbeit (bis zu 6) – Differenzierungsmöglichkeiten – PC/Laptop oder Tablet notwendig (das Programm zur Bearbeitung muss installiert sein – siehe unten)

Methodenbeschreibung (pdf) herunterladen
Vorlage Wortschatzarbeit Kamera (pdf) herunterladen
Vorlage Storyboard (pdf) herunterladen

Minimethoden – die kleinen Helfer

In der Projektarbeit wurden neben üblichen Einstiegsmethoden an verschiedenen Stellen noch kleine Minimethoden eingesetzt, die sich in der Projektarbeit als hilfreich erwiesen haben.

Bildersuche als Verständigungshilfe
Gerade bei Themen wie Kinder- und Menschenrechte benötigen die Schülerinnen und Schüler mitunter außergewöhnliche Worte, um sich ausdrücken zu können. Eine Unterstützung bei der Verständigung kann hierbei die Bildersuche (von Google oder anderen Suchmaschinen) sein. Hier können Begriffe in ganz unterschiedlichen Sprachen eingegeben und entlang der Bilder schnell ein gemeinsames Verständnis hergestellt werden.
Im Projektsetting kann dies in der Gesamtgruppe über einen Beamer oder in Gruppenarbeitsphasen an einem Computer realisiert werden. Zugleich kann damit (wenn gewollt) der individuelle Zugriff auf Übersetzungssoftware im Smartphone begrenzt werden, da Vokabeln über den gemeinsamen Rechner gesucht werden sollen.

Gemeinsames Singen, um den Fokus auf die Gruppe zu richten
Das Singen einfacher Lieder eignet sich um eine gemeinsame Aktivität in der Gruppe umzusetzen und damit den Fokus auf die gesamte Gruppe zu rücken. Dies kann als wiederkehrender Einstieg zu Beginn eines jeden Projekttags oder bei singfreudigen Gruppen auch häufiger eingebunden werden.
In den Perspektiven-Projekten wurde bspw. gesungen: „Bruder Jakob“ oder „Hejo, spann den Wagen an“.

Teambild mit Namen
Von allen teilnehmenden Kindern bzw. Jugendlichen wird zu Projektbeginn ein Foto gemacht und das Foto auf ein Team-Plakat geklebt und mit dem Namen versehen. Gerade wenn in der Gruppe viele Teilnehmende mit unbekannten und damit schwer zu erinnernden Namen sind, kann dies in der Projektarbeit sehr hilfreich sein.

Projektabläufe grafisch visualisieren – der Projektplan
Ein grafisch aufbereiteter Projektplan, der die wesentlichen Schritte im Projekt – ggf. unterteilt in Unterschritte – darstellt, unterstützt bei geringen sprachlichen Fähigkeiten (auf Deutsch), eine Vorstellung zu entwickeln, was im Projekt passieren wird, und im Projektverlauf eine Orientierung zu erhalten, was die nächsten Schritte sind. So kann Eigenständigkeit in der Projektarbeit zusätzlich unterstützt werden.

 

Medienarbeit in Übergangsklassen?

Auf Basis der Erfahrungen in den Perspektiven-Projekten und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung wurden Orientierungspunkte für die Medienarbeit in Übergangsklassen formuliert. Sie bieten Ansatzpunkte, um die Potenziale der Medienarbeit für die inhaltliche Auseinandersetzung und der Sprachförderung in den Projekten realisieren zu können. Denn die Arbeitsweisen müssen die besonderen Ausgangsbedingungen von Schülerinnen und Schülern, die gerade erst die deutsche Sprache erlernen, berücksichtigen.

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EINZELNE PROJEKTE

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